Julian Budak

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Das Hallendach ist das günstigste Kraftwerk.

Den Strompreis aus dem Netz kann kein Betrieb beeinflussen. Wie viel Strom er aus dem Netz holt, schon. Für viele Mittelständler ist das die einzige Stelle der Energierechnung, an der sie selbst entscheiden.

Julian Budak Gründer von budak.

Ich habe vor Kurzem geschrieben, die Stromrechnung gehöre zu den Größen, die ein Betrieb nicht beeinflussen kann. Für den Preis pro Kilowattstunde aus dem Netz stimmt das. Für die Menge, die er aus dem Netz holt, stimmt es nicht.

Die Rechnung ist einfach

Eine große Photovoltaikanlage auf einem Dach erzeugt Strom in Süddeutschland für 5,7 bis 8,8 Cent pro Kilowattstunde, in Norddeutschland für 7,8 bis 12 Cent.1 Ein Industriebetrieb mit Mittelspannungsanschluss zahlt 2026 im Schnitt 17,2 Cent für Strom aus dem Netz.2 Selbst mit einem Batteriespeicher liegen die Kosten des eigenen Stroms mit 7,3 bis 16 Cent noch darunter.1

Das Entscheidende ist aber nicht der Preis von heute. Es ist der Preis, den man in zehn Jahren zahlen wird. Wer die Kosten seines Dachstroms heute festschreibt, ist für diesen Teil seines Verbrauchs unabhängig von Netzentgelten, CO₂-Preisen und Börsenspitzen. Das ist kein Klimaargument, sondern Kalkulation.

Für den Eigenverbrauch bauen, nicht für das Netz

Wer heute baut, muss anders rechnen als vor fünf Jahren. 2025 gab es an der deutschen Strombörse 573 Stunden mit negativen Preisen, so viele wie nie zuvor.3 Seit dem Solarspitzengesetz bekommen neue Anlagen in diesen Stunden keine Einspeisevergütung mehr.4 Und die Bundesregierung will die Förderung für neue kleine Anlagen bis 2029 auslaufen lassen. Ab 2027 sollen nur noch Anlagen bis 50 Kilowatt eine Vergütung bekommen, das Gesetz braucht aber noch die Zustimmung aus Brüssel.5

Die Folge ist klar: Eine Anlage auf dem Hallendach lohnt sich über den Strom, den der Betrieb selbst verbraucht, nicht über den, den er verkauft. Das heißt, sie muss zum Lastgang passen. Ein Betrieb, der tagsüber produziert, ist dafür ideal. Wer seine Last zusätzlich in die Mittagsstunden verschieben kann, etwa beim Laden von Staplern, beim Vorheizen oder bei der Druckluft, holt noch mehr heraus.

Ein Hallendach, das nur Regen abhält, ist bei diesen Strompreisen eine ungenutzte Anlage.

Was dazukommt

Batteriespeicher werden für Gewerbebetriebe interessanter, nicht nur wegen des Eigenverbrauchs. Sie können Lastspitzen kappen, und die bestimmen heute den Leistungspreis für das ganze Jahr. Seit Juni 2026 dürfen kleine und mittlere Unternehmen außerdem Strom aus eigenen Anlagen mit Nachbarn im selben Netzgebiet teilen, etwa im Gewerbegebiet.6

Wer kein eigenes Dach hat oder mehr braucht, kann Strom über langfristige Lieferverträge direkt von Wind- oder Solarparks kaufen, sogenannte PPAs. Allerdings ziehen die Preise an. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die durchschnittlichen Preise für Solar-PPAs in Europa zum ersten Mal seit einem Jahr wieder, Deutschland gehörte zu den Treibern.7 Wer sich Preise sichern will, sollte nicht zu lange warten.

Was ich mir von der Politik wünsche

Weniger Förderung, mehr Einfachheit. Ein Mittelständler, der 300 Kilowatt auf sein Dach bauen will, braucht keine Vergütung, sondern einen schnellen Netzanschluss, klare Regeln für den Eigenverbrauch und Netzbetreiber, die Anfragen in Wochen statt Monaten beantworten. Das kostet den Staat kein Geld. Es kostet nur den Willen, Verfahren zu vereinfachen.

Quellen

  1. Fraunhofer ISE: Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien, Juli 2024. PV-Dachanlagen über 30 kWp, mit Speicher bei Batteriekosten von 450 bis 800 Euro pro kWh. ↩ ↩2

  2. BDEW: „Strompreisanalyse August 2026“, 08/2026. Industriekunde mit 160 MWh bis 20 GWh Jahresverbrauch, Mittelspannung. ↩

  3. Solarserver: Rückblick auf den Strommarkt 2025, 05.01.2026. Auswertung von Naturstrom. ↩

  4. co2online: Das neue Solarspitzengesetz, 2025. ↩

  5. Deutsche Handwerks Zeitung: Bericht zum Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle, 29.07.2026. ↩

  6. GÖRG: Energy Sharing nach § 42c EnWG ab 1. Juni 2026, 13.04.2026. Große Unternehmen sind ausgeschlossen. ↩

  7. PV Tech: Bericht zum LevelTen PPA Price Index Q2 2026, 23.07.2026. ↩

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Julian Budak

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