Julian Budak

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Der Mittelstand ist kein Auslaufmodell.

Familiengeführte Industrie ist das Rückgrat dieses Landes. Sie braucht keine Rettung, sondern Werkzeuge.

Julian Budak Gründer von budak.

Der deutsche Maschinenbau schrumpft. 2025 lag die Produktion real 2,6 Prozent unter dem Vorjahr1, für 2026 erwartet der VDMA ein weiteres Minus von zwei Prozent. Es wäre das vierte Jahr in Folge.2 2025 meldeten in Deutschland über 24.000 Unternehmen Insolvenz an, so viele wie seit rund zehn Jahren nicht mehr.3

Wer diese Zahlen liest, versteht, warum in Talkshows und Leitartikeln gerade wieder vom Abgesang auf den Mittelstand die Rede ist. Ich halte diesen Abgesang für falsch. Und für gefährlich.

Kein Patient

88 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Sie stellen 58 Prozent der Arbeitsplätze der Privatwirtschaft.4 In Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt Simon-Kucher mehr als 1.500 Weltmarktführer, die außerhalb ihrer Branche kaum jemand kennt.5

Diese Betriebe sind nicht schwach. Sie stehen unter Druck, das ist etwas anderes. Und es gibt Zeichen, die in der Krisenerzählung untergehen: Der Auftragseingang im Maschinenbau lag von Januar bis August 2026 vier Prozent über dem Vorjahr, aus Ländern außerhalb des Euroraums kamen bis Juli sogar 14 Prozent mehr Bestellungen.6 Die Nachfrage ist da. Sie kommt nur nicht mehr von selbst.

Die Rettungsrhetorik

Was mich stört, ist der Ton, in dem über den Mittelstand gesprochen wird. Politik redet über ihn wie über einen Patienten: Entlastungspaket, Förderkulisse, Strukturwandel begleiten. Berater reden über ihn wie über einen Sanierungsfall, dem man nur die richtige Transformation verkaufen muss.

Beides verkennt, mit wem man es zu tun hat. Ein Familienunternehmen in dritter Generation hat Ölkrisen, Wiedervereinigung, Finanzkrise und Pandemie überstanden. Es braucht niemanden, der es rettet. Es braucht Rahmenbedingungen, die es nicht ausbremsen, und Werkzeuge, die zu seinem Format passen.

Der Mittelstand ist nicht zu langsam für die Zukunft. Er wird nur selten so ausgestattet, dass er sein Tempo zeigen kann.

Die eigentliche Lücke

Die Stärke dieser Unternehmen liegt in der Technik, in der Nähe zum Kunden und in der Verlässlichkeit über Jahrzehnte. Ihre Schwäche liegt fast immer an derselben Stelle: Man findet sie nicht. Nicht, weil sie nichts zu zeigen hätten, sondern weil das, was sie können, in den Köpfen ihrer Ingenieure steckt und nicht da, wo ein Einkäufer heute sucht.

Das ist keine Frage der Firmengröße und auch keine der Generation. Es ist eine Frage der Priorität. Solange Aufträge über Empfehlungen, Messen und langjährige Kontakte kamen, war digitale Sichtbarkeit ein Nebenthema. Diese Zeit ist vorbei, und viele Betriebe merken es erst, wenn der Auftragsbestand dünner wird.

Ich arbeite mit genau diesen Unternehmen, weil ich glaube, dass sie die Substanz dieses Landes sind. Sie brauchen keine weitere Rettungsdebatte. Sie brauchen einen Staat, der sie arbeiten lässt, und Partner, die ihre Sprache sprechen. Den Rest machen sie seit hundert Jahren selbst.

Quellen

  1. Schwäbische Zeitung (dpa): „US-Zölle belasten Maschinenbau: Exporte sinken 2025 deutlich“, 23.02.2026. Zahlen des VDMA. ↩

  2. Produktion: „Maschinenproduktion: VDMA senkt Prognose für 2026“, 17.09.2026. ↩

  3. Tageskarte: „Deutlicher Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025“, 2026. Zahlen des Statistischen Bundesamts: 24.064 Unternehmensinsolvenzen, plus 10,3 Prozent. ↩

  4. Stiftung Familienunternehmen / ZEW: „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“, 2025. ↩

  5. Simon-Kucher: „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“. ↩

  6. Produktion: „Auftragseingang: Maschinenbau erhält Dämpfer“, 05.10.2026. Zahlen des VDMA. ↩

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Julian Budak

Gründer von budak.

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