Zölle sind jetzt ein Dauerzustand.
Die USA ändern ihre Zollregeln im Quartalstakt. Wer davon lebt, dass ein einzelner Markt stabil bleibt, hat schon verloren.
Julian Budak Gründer von budak.
Ende Juli 2025 haben sich die EU und die USA auf einen Zollrahmen geeinigt.1 Höchstens 15 Prozent auf europäische Waren, das war die Botschaft, und viele in der Industrie atmeten auf. Mitte August setzte Washington 407 weitere Produktgruppen auf die Liste der Stahl- und Aluminiumzölle, mit 50 Prozent auf den Metallanteil.2 Der VDMA zählte darunter 165 Maschinenbauprodukte. Sein Hauptgeschäftsführer sagte, das Abkommen sei kaum mehr wert als das Papier, auf dem es steht.3
Er sollte recht behalten, nur anders als gedacht.
Ein Jahr im Zickzack
Im Februar 2026 erklärte der Supreme Court einen großen Teil der Trump-Zölle für rechtswidrig.4 Die Regierung ersetzte sie innerhalb weniger Tage durch einen befristeten Aufschlag nach einem anderen Gesetz, und als der im Juli auslief, durch neue Zölle nach wieder einem anderen.5 Die Stahl- und Aluminiumzölle, die den Maschinenbau am härtesten treffen, blieben von dem Urteil unberührt. Im April wurden sie neu sortiert, in Anhänge mit unterschiedlichen Sätzen für unterschiedliche Maschinen. Im Juni folgte die nächste Proklamation.6
Wer rekonstruieren will, welcher Satz heute für welche Maschine gilt, braucht Stunden, und selbst Fachkanzleien widersprechen sich dabei. Ein Exportleiter in einem Betrieb mit achtzig Mitarbeitern hat diese Stunden nicht.
Was es kostet
Die Zahlen sind trotzdem eindeutig. 2025 exportierte der deutsche Maschinenbau Waren für knapp 25,2 Milliarden Euro in die USA, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Die USA bleiben der wichtigste Einzelmarkt, rund jeder achte Euro aus dem Maschinenexport kommt von dort.7 Das IW Köln beziffert den effektiven Zollsatz auf deutsche Waren inzwischen auf rund 21 Prozent.8
Im ersten Halbjahr 2026 hat sich das US-Geschäft auf diesem niedrigeren Niveau stabilisiert. Eingebrochen ist dafür China, um rund 14 Prozent.9
Planungssicherheit ist kein Zustand mehr, den die Politik liefert. Sie ist etwas, das sich ein Unternehmen selbst bauen muss.
Berlin kann das nicht lösen
Ich mache der Bundesregierung hier keinen Vorwurf. Zollpolitik wird in Brüssel verhandelt und in Washington entschieden. Die EU hat sich immerhin vorbehalten, ihre eigenen Zugeständnisse auszusetzen, wenn die USA bis Ende 2026 an den hohen Sätzen festhalten.1 Das ist richtig, aber es ändert nichts an der Lage eines Betriebs, der im nächsten Quartal liefern will.
Die ehrliche Botschaft lautet: Kein Abkommen wird die Zeit zurückdrehen, in der man sich auf zwei, drei große Exportmärkte verlassen konnte. Die USA schotten sich ab, China kauft weniger und verkauft mehr. Wer wachsen will, muss in Märkte, in denen er heute noch niemanden kennt.
Neue Märkte ohne Vertreter
Genau hier liegt das Problem vieler Mittelständler. Ihr Auslandsgeschäft hängt an Handelsvertretern, an Messen und an Kontakten, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Das funktioniert in Märkten, in denen man schon ist. Es funktioniert nicht in Märkten, in denen man erst hinwill.
Ein Einkäufer in Polen, Mexiko oder Indien, der eine Lösung sucht, findet nicht den Betrieb mit dem besten Vertreter. Er findet den, der dort sichtbar ist, wo er sucht. Und das ist heute fast immer zuerst online.
Wer sich in diesen Zeiten auf einen stabilen Markt verlässt, verlässt sich auf etwas, das es nicht mehr gibt. Wer sich darauf verlässt, gefunden zu werden, hat zumindest eine Größe in der Hand, die ihm keine Proklamation aus Washington nehmen kann.
Quellen
-
Thomson Reuters: „The EU-US tariff framework takes effect“, 16.07.2026. ↩ ↩2
-
U.S. Bureau of Industry and Security: „Department of Commerce Adds 407 Product Categories to Steel and Aluminum Tariffs“, 08/2025. ↩
-
Eurometal: „Bericht vom 27.08.2025“, 27.08.2025. Mit Zahlen und Zitat des VDMA. ↩
-
Jones Day: „United States Supreme Court Invalidates IEEPA Tariffs“, 02/2026. Urteil Learning Resources, Inc. v. Trump vom 20.02.2026. ↩
-
Dorsey & Whitney: „Announced Section 301 Tariffs“, 07/2026. ↩
-
Thompson Coburn: „New Proclamation Makes Major Revisions to Section 232 Tariffs on Steel, Aluminum, Copper“, 04/2026. Zur Proklamation vom Juni: Plante Moran, Section 232 update. ↩
-
Schwäbische Zeitung (dpa): „US-Zölle belasten Maschinenbau: Exporte sinken 2025 deutlich“, 23.02.2026. Zahlen des VDMA. ↩
-
Institut der deutschen Wirtschaft: „US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Wer gewinnt, wer verliert?“, 05.08.2026. ↩
-
fundresearch (dpa): „Maschinenbau rettet Halbjahr mit starken Exporten im Juni“, 21.08.2026. Zahlen des VDMA. ↩